Gert Kowarowsky, Psychologischer Psychotherapeut, Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen

Die Grenzen zwischen einer als "normal" empfundenen Persönlichkeit und einer Persönlichkeitsstörung sind fließend. Die Störung umfasst das Erleben, Fühlen, Denken und das Verhalten. Vor allem das Verhalten in sozialen Beziehungen. Ausgeprägte, gelegentlich auch auffällige Verhaltensmuster sind nicht unbedingt als Persönlichkeitsstörung zu bezeichnen, hier spricht man eher von einem akzentuierten Persönlichkeitsstil.

 

Manchmal bedeutet konstant ungewöhnliches Verhalten aber auch eine ganz besondere Fähigkeit, für sehr schwierige Lebensverhältnisse kreative Lösungen gefunden zu haben. Ein Verhalten, über das im Erwachsenenalter sich manch ein Partner bis zur Weißglut aufregen mag, war vielleicht in der Kindheit die einzige Möglichkeit, von gleichgültigen Eltern wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit zu erheischen, oder sich ihren unerfüllbaren Forderungen zu entziehen.

 

Eine Persönlichkeitsstörung liegt erst dann vor,

  • wenn das unangemessene Erleben und Verhalten mit einer gewissen Regelmässigkeit wiederkehrt
  • wenn es vom Betroffenen nicht leicht geändert werden kann, also rigid ist
  • wenn es den Betroffenen beeinträchtigt in seiner Lebensführung, beispielsweise in den sozialen Kontakten oder in der beruflichen Leistung oder wenn es zu psychischen Krankheiten führt (z.B. Depression, Angst oder Panik)
  • wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung gegeben ist, beispielsweise durch Drogenmissbrauch, kriminelles Verhalten, riskantes Verhalten im Strassenverkehr, im finanziellen oder im sexuellen Bereich.
  • Kurzum, wenn er oder Andere unter diesem veränderten Denken und zwischenmenschlichen Verhalten leiden.

 

Es gibt verschiedene Persönlichkeitsstörungen, mit jeweils charakteristischen Merkmalen. Sehr häufig kommt es zu Überschneidungen, so dass bei mehr als 80 % aller Betroffenen mehr als eine Persönlichkeitsstörung festzustellen ist.

 

Die Therapie einer Persönlichkeitsstörung besteht darin, dem Patienten zu helfen, sich seiner berechtigten Beziehungsmotive und seiner wirklichen Wünsche an den anderen wieder bewusst zu werden. Die Therapie der Persönlichkeitsstörung besteht auch darin, dem Patienten zu helfen, sich seiner Grundannahmen bewusst zu werden - über sich selbst und die anderen. Der Therapeut hilft dem Patienten dabei, die "Spiele" kennenzulernen, mit denen er die Beziehung zu anderen bisher belastet hat, und er hilft ihm dabei, auszuprobieren wie es sich anfühlt, neue authentischere, ehrlichere, sich selbst sichtbar machende Wege zu gehen, um wieder befriedigendere Beziehungen zu sich selbst und anderen aufbauen zu können.